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Strukturkennzahlen

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Prüfsiegel gültig bis 2020

Grundsachverhalte

Grundsätzlich können im Rahmen der Aufwands- und Ertragsanalyse Struktur- und Quotenkennzahlen unterschieden werden. Dabei setzen Strukturkennzahlen eine Aufwands- oder Ertragsart ins Verhältnis zu der dazugehörigen Gesamtgröße, z. B. die Personalaufwendungen zur Summe aller Aufwendungen. Bei Quotenkennzahlen wird dagegen der Anteil der Teilgröße an Umsatz oder Gesamtleistung bestimmt. Letztere werden häufig auch als „Intensitätskennzahlen“ bezeichnet.

Der Quoten- oder Intensitätskennzahlen bieten zwei Vorteile: Zum einen sind die Größen „Umsatzerlöse“ und „Gesamtleistung“ weniger durch bilanzpolitische Gestaltung verzerrt. Zum anderen kann bei Quotenkennzahlen ein stärkerer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Zähler und Nenner angenommen werden, da beide Werte als nachhaltig bezeichnet werden können.

Bei Strukturkennzahlen wird dieses Verhältnis häufig dadurch gestört, dass im Nenner sowohl nachhaltige als auch außerordentliche Werte vermengt werden, was speziell bei Prognosen zu Fehlurteilen führen kann.


Inwiefern bei der Berechnung von Quotenkennzahlen der Umsatz oder die Gesamtleistung im Nenner verwendet wird, hängt von der Gliederung der GuV ab. Dem Entsprechungsprinzip nach bietet sich hier beim Gesamtkostenverfahren die Gesamtleistung an, da die betrieblichen Aufwendungen (mit Ausnahme der Steuern) nicht nur auf die Umsatzerlöse entfallen, sondern auch auf die nicht verkauften Leistungen. Bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens wird dagegen der Umsatz im Nenner verwendet, da sich per Definition die ausgewiesenen Herstellungskosten nur auf die Leistungen beziehen, durch die die Umsatzerlöse erzielt werden konnten.

Unabhängig von der Wahl des Nenners erleichtert die relative Gewichtung der einzelnen Komponenten der Gesamtergebnisrechnung bzw. GuV die Sicht auf die zentralen Abhängigkeiten des Unternehmens in der Erfolgsentstehung erheblich und verdeutlicht dem externen Analytiker im überbetrieblichen Vergleich, wo Stärken oder Schwächen in der Aufwands- und Ertragsstruktur des Unternehmens liegen.

Hierfür sollten allerdings nur strukturgleiche Unternehmen herangezogen werden, da die Aufwandsverhältnisse von zahlreichen Faktoren abhängen können, u. a. von der Art der hergestellten Produkte, der Preisentwicklung an den Beschaffungs- und Absatzmärkten, der Tarifpolitik, der Fertigungstiefe oder den Veränderungen in der Wirtschaftlichkeit der Betriebsprozesse. Strukturgleichheit ist zwar in der Realität nicht vollständig gegeben, aber trotzdem geben Durchschnittswerte eines großen Datenpools Ansatzpunkte für eine vergleichende Unternehmensanalyse. Stark vereinfachend wird so innerhalb einer Branche ("peer group") von ähnlichen Strukturen ausgegangen, wobei allerdings im Einzelnen erhebliche Unterschiede bestehen können.



Veränderungsanalyse

Eine weitere Möglichkeit eines Vergleiches im Rahmen der Aufwands- und Ertragsanalyse besteht in der Veränderungsanalyse. So können auf Ebene des Betriebes durch die Bildung von Indexreihen die absoluten und relativen Entwicklungen einzelner Erfolgskomponenten im Zeitablauf festgestellt werden. Diese Veränderungen wirken sich umso stärker auf den Gesamterfolg aus, je größer ihr relatives Gewicht ist. Durch den zeitlichen Vergleich von Absolut- und Prozentzahlen können sich Entwicklungstendenzen herauskristallisieren, wobei unterstellt wird, dass sich die betrieblichen Verhältnisse, wie z. B. die Wirtschaftlichkeit des Faktoreinsatzes, im Großen und Ganzen konstant entwickeln. Das heißt, dass die Veränderungen der betrieblichen Aufwendungen synchron zu Umsatz- oder Gesamtleistungsänderungen verlaufen. Vergrößert sich diese Proportion im Zeitablauf für bestimmte Aufwandspositionen, ist von einer Fehlentwicklung auszugehen.

Besondere Beachtung gebührt hier zusätzlich dem Sachverhalt, ob die Entwicklung auf Wert- oder Mengenänderungen zurückzuführen ist. Deshalb muss untersucht werden, ob die Umsatzsteigerung auf einer Preiserhöhung, Kostenreduzierung oder auf mehr abgesetzter Mengen beruht. So kann durch einen Vergleich mit dem Preisindex der Branche überprüft werden, inwiefern eine Erhöhung der Verkaufspreise für die Steigerung verantwortlich ist.



Nachhaltige Ertragskraft

Für die Beurteilung der nachhaltigen Ertragskraft spielt das ordentliche Betriebsergebnis eine wichtige Rolle. Setzt man das ordentliche Betriebsergebnis im Sinne der Erfolgsspaltung nach Ergebnisschichten zum Jahresergebnis vor Steuern ins Verhältnis, lässt sich feststellen, inwiefern das Ergebnis durch ordentliche bzw. außerordentliche Erträge oder Aufwendungen beeinflusst wurde:

Anteil des ordentlichen Betriebsergebnisses am Jahresergebnis = ordentliches Betriebsergebnis  : Jahresergebnis vor Steuern

Auf ähnliche Art und Weise lässt sich auch der Anteil des Ergebnisses aus nicht fortgeführter Tätigkeit nach Steuern am Jahresergebnis nach Steuern aber vor Minderheitenanteilen feststellen: Anteil des Ergebnisses aus nicht fortgeführter Geschäftstätigkeit am Ergebnis nach Steuern = Ergebnis aus nicht fortgeführter Geschäftstätigkeit nach Steuern  : Ergebnis nach Steuern (vor Minderheitenanteilen)

In Deutschland gilt jedoch seit dem BilRUG (2016), dass kein a.o. Ergebnis mehr in der GuV ausgewiesen wird.

Die Erkenntnisse aus der Ertragsanalyse lassen sich durch die Aufwandsanalyse ergänzen. Hierfür werden die Anteile einzelner Aufwandsarten an der Gesamtleistung, am Umsatz oder am Gesamtaufwand ermittelt. Das Gliederungswahlrecht der IFRS für die GuV macht hier eine Differenzierung der Analyse nach Umsatz- und Gesamtkostenverfahren notwendig. (siehe ggfs. auch IFRS_–_Zielsystem_und_Adressaten)



Gesamtkostenverfahren

Bei Gliederung der GuV nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV) wird die Bildung von Intensitätskennzahlen mit den Material- und Personalaufwendungen als den zentralen Aufwandsposten durchgeführt:

Materialkostenintensität = Materialaufwand : Gesamtleistung

Personalkostenintensität = Personalaufwand : Gesamtleistung

Diese Verhältniskennzahlen verdeutlichen insbesondere für einen Betriebs- und Zeitvergleich, in welchem Maße die Produktionsfaktoren „Material“ und „Arbeitsleistung“ zueinander stehen und inwiefern mögliche Mengen- und Wertgerüstschwankungen eines Produktionsfaktors (Materialmengen oder -preise bzw. Mitarbeiterzahl oder Lohn- und Gehaltssätze) das Gesamtergebnis beeinflussen können. (Materialkostenintensität, Personalkostenintensität)



Umsatzkostenverfahren

Bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens werden die Positionen Material-, Personal- und Abschreibungsaufwand nicht unmittelbar in der GuV ausgewiesen, sondern sind jeweils in die Kosten der einzelnen Funktionsbereiche einbezogen. Gegebenenfalls werden jedoch separate Angaben zu diesen Positionen im Anhang gemacht. Dies ermöglicht grundsätzlich ein Vorgehen wie oben für das Gesamtkostenverfahren beschrieben. Allerdings wird jetzt als Nennergröße nicht die Gesamtleistung herangezogen, sondern die Umsatzerlöse. Dies ist insofern problematisch, da von externer Seite nicht erkennbar ist, ob die Aufwendungen sich auf umgesetzte oder auf Lager produzierte Erzeugnisse beziehen und ob die Umsatzerlöse durch periodengerecht hergestellte Erzeugnisse oder durch Lagerabverkauf erbracht wurden.

Grundsätzlich ist bei Gliederung der GuV nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV) eine kostenstellen- bzw. bereichsbezogene Strukturanalyse möglich. Hierbei werden die Funktionsbereiche „Herstellung“ und „Vertrieb und Verwaltung“ ins Verhältnis zu den Umsätzen gesetzt. Diese Kennzahlen verdeutlichen die Bedeutung einzelner Funktionsbereiche und deren Veränderung im Zeitablauf.


Aus externer Sicht ergibt sich folgende Berechnung:

Herstellungskostenintensität = Herstellungskosten  : Umsatz

Die Herstellungskostenintensität gibt den Anteil der Herstellungskosten am Umsatz an und liefert Informationen über die Produktionseffizienz des Unternehmens. In der Praxis liegt diese Kennzahl oft bei bis zu 90 %. Eine Veränderung der Größe lässt sich auf vielerlei Gründe zurückführen. Intern muss mit Herstellkosten gerechnete werden, der auf einzelne Produkte / Produktgruppe heruntergerechnet werden kann.


Vertriebs- und Verwaltungskostenintensität = Vertriebs- und Verwaltungskosten  : Umsatz

Eine höhere Vertriebs- und Verwaltungskostenintensität kann z. B. auf überproportionale Marketing- und Vertriebsanstrengungen aufgrund von Absatzproblemen oder Produkteinführungen zurückzuführen sein. Eine im Vergleich zu einem ertragsstärkeren Konkurrenten höhere Vertriebs- und Verwaltungskostenintensität kann auf Ineffizienz zurückzuführen sein. Sinkt die Vertriebs- und Verwaltungskostenintensität im Zeitablauf, so ist dies häufig auf erfolgreiche Rationalisierungsmaßnahmen zurückzuführen.


Setzt man die Kosten für Forschung- und Entwicklung ins Verhältnis zu den Umsatzerlösen, so können Aussagen über das Forschungsverhalten und die Zukunftsbemühungen eines Unternehmens gewonnen werden.

F&E-Intensität = Forschungs- und Entwicklungsleistung  : Umsatz


Grundsätzlich ist bei der Ermittlung der Forschungs- und Entwicklungskosten-Intensität festzustellen, dass die zu berücksichtigenden Angaben aufgrund der unterschiedlichen Auslegung der Ansatzkriterien für Entwicklungskosten verzerrt sein können. Hier ist es empfehlenswert, als Zählergröße sowohl die aufwandswirksam verrechneten Forschungs- und Entwicklungskosten als auch die aktivierten Entwicklungskosten zu berücksichtigen.

Grundsätzlich gilt für die drei Kennzahlen: Bei einem zwischenbetrieblichen Vergleich branchen- und strukturgleicher Unternehmen ist grundsätzlich ein Unternehmen mit geringerer Kostenstellenintensität als besser zu beurteilen. Im Zeitvergleich ist bei steigender Quote von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens auszugehen, bei sinkender Quote von einer Verbesserung. Zu beachten sind außerdem Wechselbeziehungen, z. B. ob die Steigerung einer Kennzahl durch das Sinken einer anderen Kennzahl kompensiert wird. Für die F&E-Intensität ist natürlich zu beachten, dass die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen z. B. bei Chemieunternehmen einen wichtigen Zukunftserfolgsfaktor darstellen und theoretisch aufgrund einer wirtschaftlicher Schieflage stark reduziert werden können, die F&E-Intensität damit sinkt, aber auch in Zukunft keine Erträge aus Produktinnovationen generiert werden können.



Ersteinstellende Autoren

Dr. Andreas Eiselt,

Univ.-Prof. Dr. Stefan Müller

www.hsu-hh.de/abwl


Literatur

  • Eiselt, A./Müller, S.: IFRS: Gestaltung und Analyse von Jahresabschlüssen – Instrumente und Potenziale von Bilanzpolitik und Bilanzanalyse – IFRS Best Practice Bd. 15, Berlin 2011.
  • Lachnit, L./Müller, S.: Unternehmenscontrolling, Wiesbaden 2006.