Preisabweichung

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Prüfsiegel gültig bis 21.02.2020

Zusammenfassung

Preisabweichungen sind Differenzen zwischen Ist- und Plan- bzw. Sollkosten, die sich durch Änderungen der Preise für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ergeben, d.h. durch ein gegenüber der Planung geändertes Preis- bzw. Lohnniveau.


Ermittlung der Preisabweichung

Die Aufgabe der Kostenkontrolle wird durch die flexible Plankostenrechnung in der Weise erfüllt, dass den Istkosten einer Abrechnungsperiode Plan- oder Sollkosten gegenübergestellt und die so errechneten Kostenabweichungen analysiert, d.h. auf ihre Ursachen zurückgeführt werden. Um erkennen zu können, welche Ursachen zur Entstehung der Abweichung zwischen Sollkosten und Istkosten geführt haben, ist es erforderlich, Einzelabweichungen (oder Teilabweichungen) zu ermitteln, d.h. zu eruieren, auf welche Kostenbestimmungsfaktoren die Abweichungen im Einzelnen zurückzuführen sind. Zu den in der Praxis meist anfallenden Einzelabweichungen zählen Preisabweichungen, die sich durch Änderung des Kostenbestimmungsfaktors "Faktorpreis" (Materialpreise, Löhne, ...) ergeben. Dieser Effekt gestiegener oder gefallener Beschaffungspreise wird durch Multiplikation der gegenüber der Planvorgabe eingetretenen Preisänderung mit der Planmenge errechnet.


Aufspaltung der Gesamtabweichung

Bei der Aufspaltung der Gesamtabweichungen in Teilabweichungen treten in der Regel Zurechnungsprobleme auf, die darauf zurückzuführen sind, dass zwischen den einzelnen Kostenbestimmungsfaktoren häufig funktionale Beziehungen bestehen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch häufig von "Abweichungs-Interdependenz", die ihren Ausdruck darin findet, dass die Gesamtabweichung neben der Preisabweichung und der Verbrauchsabweichung noch aus der gemischten Abweichung bzw. Abweichung 2. Ordnung besteht, die durch die Änderung beider Einflussgrößen gemeinsam entsteht.[1] Eine verursachungsgerechte Zurechnung zu Änderungen einer der beiden Einflussgrößen ist nur dann möglich, wenn es keine gemischte Abweichung gibt; hat sich allerdings nur eine einzige Einflussgröße geändert, ist das Problem der Aufspaltung ohnedies obsolet.


Preisabweichung.JPG

Abb. 1: Preisabweichung im Rahmen der Abweichungsaufspaltung


Dieses Vorgehen der Abweichungsberechnung, das als differenzierte Methode bezeichnet wird, rechnet die Abweichungen höherer Ordnung keiner Abweichung zu, sondern weist sie gesondert aus (vgl. Abb. 1). Somit enthält die Preisabweichung keine gemischten Abweichungen.

Für die Entscheidungsfunktion der Abweichungsanalyse ist es wesentlich, dass keine Einzelabweichungen unter den Tisch fallen, sondern dass sämtliche Informationen verwertet werden. Es soll außerdem gewährleistet sein, dass es zu einer gleichmäßigen Berechnung der Einzelabweichungen kommt, andernfalls würden Informationen nicht mehr vergleichbar sein. Für das Ziel der Verhaltenssteuerung kann nur eine Berechnungsmethode von Abweichungen erfolgreich sein, deren Ergebnisse für die verantwortlichen Mitarbeiter sowohl nachvollziehbar als auch (a priori) akzeptabel sind.


Erfassung und Verrechnung von Preisabweichungen auf Basis von Planpreisen

Um die innerbetriebliche Kostenkontrolle von störenden Preisschwankungen der Beschaffungsmärkte freizuhalten und geplante relevante Kosten bestimmen zu können, werden im System der flexiblen Plankostenrechnung die von außen bezogenen Produktionsfaktoren mit Planpreisen bewertet.[1] Die Preisabweichungen ergeben sich dann durch folgende Rechnung:[2]


Preisabweichung = Planmenge x (Istpreis - Planpreis)


Die Weiterverrechnung der Kosten mit Planpreisen erfolgt vor allem für Werkstoffe und Arbeitsleistungen, d.h. für solche Produktionsfaktoren, die

• ein fest umrissenes Mengengerüst haben,

• regelmäßig in größeren Mengen bezogen werden (das trifft z.B. für Güter des Anlagevermögens nicht zu),

• so bedeutsam sind, dass durchschlagende Preisschwankungen die innerbetriebliche Kostenkontrolle beeinträchtigen würden.


Die Verwendung von Planpreisen führt dann dazu, dass in einer Plankostenrechnung laufend Preisabweichungen, d.h. Differenzen aus Ist- und Planpreisen, entstehen.

Auswirkungen des Zeitpunkts der Erfassung von Abweichungen

Organisatorisch bestehen für den Zeitpunkt der Erfassung von Preisabweichungen zwei Möglichkeiten, die Erfassung beim Zugang oder beim Abgang. Im ersten Fall werden sie sofort beim Zugang abgespaltet, sodass die Lagerbestände zu Planpreisen geführt werden. Bei der Erfassung beim Abgang der Inputfaktoren (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) aus dem Lager werden die Lagerbestände noch zu Istpreisen geführt. Abgesehen von Unterschieden in der Durchführung der Abweichungsermittlung ist ein Aspekt von Interesse: Die beiden Methoden führen zu einem zeitlich verschobenen Ausweis der Preisabweichungen. Bei der Zugangsmethode werden die Preisabweichungen auf Basis der beschafften Menge ermittelt, bei der Abgangsmethode aber erst mit dem Verbrauch der Menge. Für die Funktion der Kontrolle des Einkaufs ist die Zugangsmethode überlegen, weil sie die gesamte Preisabweichung für die Einkaufsentscheidung ausweist und nicht erst sukzessive dann, wenn der Verbrauch erfolgt.

Das traditionelle Verfahren war die Erfassung der Preisabweichungen beim Zugang. Hierbei erfolgt die Bestandsbewertung zu Einstandspreisen. Die Verbrauchsmengen können entweder zu Einstands- oder zu Verbrauchspreisen bewertet werden. Das charakteristische Merkmal der Erfassung von Preisabweichungen beim Zugang besteht darin, dass neben den Verbrauchsmengen auch die lagernden Mengen mit Planpreisen bewertet werden.

Das heute am weitesten verbreitete Verfahren - aufgrund DV-gestützter Materialwirtschaftssysteme - ist die Erfassung der Preisabweichung beim Abgang. Hierbei erfolgt die Bestandsbewertung mit dem gleitenden Durchschnitt der Einstandspreise. Die Verbrauchsmengen werden zum jeweils aktuellen Einstandspreis bewertet, der in einen Festpreis laut Materialstamm und die entsprechende Preisabweichung aufgeteilt wird. Dieses erprobte Real-time-Verfahren weist gegenüber der traditionellen monatlichen Preisdifferenzermittlung den einzelnen Abgängen innerhalb eines Monats unterschiedliche Preisabweichungen zu. Dies kann z.B. bei Rückgaben ans Lager zu unterschiedlichen Bewertungen führen. Beim traditionellen monatlichen Bewertungsverfahren traten jedoch dieselben Probleme, allerdings monatlich geglättet, auf.


Ursachen und Verantwortlichkeit für Preisabweichungen

Preisbedingte Abweichungen lassen sich auf Änderungen der Istpreise gegenüber den Festpreisen der Planung zurückführen und resultieren im Einzelnen aus:


• Preisänderungen bezogener Einsatzstoffe,

• Änderungen der Verrechnungspreise der sekundär verrechneten Kostenstellen und

• Veränderungen der Tarifstruktur im Personalbereich.


Man spricht daher in diesem Zusammenhang neben Preisabweichungen auch von Abweichungen sekundärer Stellen sowie Tarifabweichungen. Da der Kostenstellenverantwortliche jedoch nur selten die Faktoren beeinflussen kann, die zu den Preisabweichungen geführt haben, wird es vielfach nicht als sinnvoll erachtet, ihn für diese verantwortlich zu machen. Dies gilt vor allem, wenn die Preise der Inputfaktoren stark bis ausschließlich von ihm nicht kontrollierbaren Einflüssen unterliegen. Darum werden Planpreise in Form von Standardwerten verwendet. Oft bestehen allerdings im Bereich des Einkaufs Möglichkeiten, auf die Einkaufspreise Einfluss auszuüben. In diesem Fall sind Preisabweichungen sehr wohl wichtig für die Beurteilung der Leistung des betreffenden Verantwortlichen. Beispielsweise kann er den Einkaufspreis durch Verhandlungsgeschick, die Suche nach günstigen Bezugsquellen oder durch einen günstigen Bestellzeitpunkt bei Preisschwankungen reduzieren. Aber auch dann gilt es abzuwägen, inwieweit die Nachteile des Verantwortlichmachens für Preisabweichungen nicht überwiegen. In der Regel sollte man sich bei der Auswertung von Preisabweichungen auf eine Ursachenanalyse beschränken und hieraus Empfehlungen für die Einkaufsabteilungen ableiten, ohne sie jedoch unmittelbar für die Entstehung von Preisabweichungen verantwortlich zu machen.

Werden beim Einkauf von Inputfaktoren Rabatte gewährt, kann die Preisabweichung in eine Rabattabweichung und eine (Rest-)Preisabweichung aufgespalten werden. Es handelt sich dabei um das Problem abhängiger Einflussgrößen, also der Folgewirkung von Änderungen der Beschaffungsmenge auf den Preis. Eine höhere Beschaffungsmenge bewirkt, dass ein höherer als der geplante Rabatt gewährt wird. Dieser Teil der Preisabweichung ist dann vom Verantwortlichen für den Einkauf nicht kontrollierbar, wenn die Beschaffungsmenge von jemand anderem vorgegeben wird.


Praxis-Beispiel


Preisabweichung In einer Produktionsabteilung wurden für ein Rohmaterial ein Einheitspreis von rp = 140 EUR/kg und ein Verbrauch von qp = 450 kg geplant. Die Istwerte betragen für den Einheitspreis ri = 170 EUR/kg und den Verbrauch qi = 500 kg. Die Gesamtabweichung beträgt damit:


Formul12.JPG


Durch Aufspaltung in Einzelabweichungen ergibt sich folgende Preisabweichung: (ri - rp) × qp = (170 EUR/kg - 140 EUR/kg) × 450 kg = 13.500 EUR Der restliche Teil der Gesamtabweichung teilt sich auf in eine Verbrauchsabweichung von 7.000 EUR und eine gemischte Abweichung von 1.500 EUR.[1]

Im Rahmen der Abweichungsanalyse kann man erkennen, dass die Gesamtabweichung sowohl durch einen höheren Faktorverbrauch als auch durch höhere Einkaufspreise zustande kommt. Die Untersuchung dieser Interdependenzen des Leistungserstellungsprozesses zur Offenlegung der abweichungsverursachenden Einflussgrößen ist unerlässlich, um daraus etwaige notwendige Maßnahmen abzuleiten.

Literaturtipps

• Kilger, W.; Pampel, J.; Vikas, K.: Flexible Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung, 11. Aufl., Wiesbaden 2002.

• Wagenhofer, A.; Ewert, R.: Interne Unternehmensrechnung, 3. Aufl., Berlin/Heidelberg 1997.


Ersteinstellende Autorin

Cornelia Putzhammer