Fertigungsaufträge

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Prüfsiegel gültig bis 2022

Begriffsklärung

Wie viele Begriffe in der Betriebswirtschaft, ist auch der Begriff 'Fertigungsauftrag' mit mehreren Bedeutungen versehen:


1. Produktionsplanung und -steuerung

--> Allein hier hat der Begriff zwei Bedeutungen:

a) Einerseits geht es um eine Gütermenge gleicher Art (also synonym zum Begriff 'Fertigungslos' verwendet)

b) Andererseits geht es (abgeleitet von Ziffer a) ) um einen sogenannten 'innerbetrieblichen Auftrag', d.h. die notwendigen Informationen, die für den Erstellungsprozess & dessen Steuerung sowie für die Abbildung der zu erstellenden Güter in der Kostenrechnung bzw. in der Bilanzierung benötigt werden.

In einem erweiterten, modernen Verständnis lassen sich diese Instrumente des industriellen Produktionscontrollings auch bei Dienstleistungen anwenden.


2. Bilanzierung bis 2017 IAS 11 "Fertigungsaufträge", seit 2018 IFRS 15 "Erlöse aus Verträgen mit Kunden"--> Hier geht es um die Frage, welche Aufwendungen und Erträge auszuweisen sind und nach welcher Methode sie zu ermitteln sind.

Im Sinne der Produktionsplanung/-steuerung

ad a)

In der Fertigung bedeutet 'Los' eine gleichartige Gütermenge, die hintereinander weg - also ohne Unterbrechung oder Wechsel des gefertigten Typs - erstellt wird. Wird immer das gleiche Gut - quasi "unendlich lange" gefertigt, spricht man nicht mehr von 'Losfertigung' sondern von 'Serienfertigung'.

Sofern nun in 'Fertigungslosen' gefertigt wird, fallen für die in einem Rutsch gefertigten Leistungen einmalig Rüstkosten an. Je mehr Teile gleichen Typs so gefertigt werden, desto weniger Rüstkosten fallen anteilig je Stück an. Andererseits bedeutet das auch, sehr viele Teile auf Lager zu fertigen und erst nach und nach abzuverkaufen. Das bedeutet eine hohe Kapitalbindungsdauer und ist nicht im Sinne des Working Capital Managements. Eine typische Kennzahl zur Messung lautet Days_Inventory_Held (DIH) oder auch Days Inventories Valued (DIV) genannt.

Anstelle des Begriffs 'Los' gibt es auch die Begriffe 'Charge' (insbes. in der Logistik), 'Batch' (insbes. in der Chemie als Begriff der Verfahrenstechnik)oder auch 'Partie' --> alle drei Begriffe teilweise mit leicht modifizierter Bedeutung.


ad b)

Beispielhaft (nicht vollständig - nicht jedes Mal zugleich auftretend) eine Liste von typischen Informationen (und was daraus folgt):

- Bezug zur Stückliste (--> benötigte Materialien --> z.B. mit Verfügbarkeitsprüfung, automatischer Reservierung, Bestellung, ...)

- Bezug zum Arbeitsplan (--> Rüsten, Fertigungsschritte, ...; wichtig für Personalplanung)

- Interner oder externer (Kunde) Auftraggeber

- Fertigungsmenge (sog. Losgröße)

- frühester Fertigungsbeginn und / oder Fertigungsende (--> wichtig für Arbeitsvorbereitung: z.B. Maschinenbelegung und Netzpläne, ...)

- Erstellen von konkreten Arbeitsanweisungen (z.B. Kommissionierlisten)

- wie lautet das Schema für die Kalkulation

- Bezugsgröße für die Betriebsdatenerfassung (BDE) (--> z.B. Fertigungsdauer, Stillstand, ..., Gut- oder Falsch-Teile, ...) und damit Basis für den Soll-Ist-Vergleich (Verbrauchsabweichung und Beschäftigungsabweichung)

- auf welchen Kostenträger sollen die Kosten entlastet werden

- usw.



Im Sinne der Bilanzierung gemäß IFRS 15

Unter Fertigungsaufträgen versteht man eine komplexe, über einen längeren Zeitraum abzuwickelnde Produktionsdurchführung aufgrund eines Kundenauftrags. Allgemeine Charakteristika der Fertigungsaufträge sind:

• Zeitliche Vorverlagerung des Absatzes in Form eines konkreten Kundenauftrags vor Beginn der Produktion.

• Kundenspezifische Einzel- oder Variantenfertigung als Fertigungstyp.

• Werkverträge oder Werklieferungsverträge als rechtliche Grundlage. Somit trägt der Hersteller bis zur Abnahme des Werks durch den Besteller die Gefahr des zufälligen Untergangs. Die Abnahme des Werks setzt dabei in der Regel die Fertigstellung voraus.

• Preisbildung mit hohen Unsicherheiten und Vorliegen eines hohen Kalkulationsrisikos.

Typische Beispiele sind der Bau von Kraftwerken, Raffinerien, Produktionsstätten, Verkehrsprojekte oder Softwareentwicklungen. Aus Sicht der Rechnungslegung ergibt sich das Problem, den Wertschöpfungsprozess der Fertigungsaufträge periodengerecht in Gestalt von Aufwendungen und Erträgen abzubilden.

Literatur

Brinkmann/Bertram/Kessler/Müller (Hrsg.): HGB-Bilanzkommentar, 2. Aufl., Haufe-Lexware Verlag, Freiburg 2010. Federmann/Kußmaul/Müller (Hrsg.): Handbuch der Blianzierung, Haufe-Lexware Verlag, Freiburg 1960ff.



Ersteinstellender Autor

Univ.-Prof. Dr. Stefan Müller http://www.hsu-hh.de/abwl/index_6svLNXokreMUyiGz.html[1]

Guido Kleinhietpaß http://www.controllerakademie.de [2]